Dies ist der Bericht über einen stürmischen Tag im Leben einer Touristenschriftstellerin.
Dies ist der Bericht über eine Wanderung vom DDR-Beton zur Ostseeromantik.
Nein, es ist kein Bericht über die Entwicklung Mecklenburg-Vorpommerns in den letzten Jahren, es ist der Bericht über meinen Sonntag im Betonvorort Groß Klein und dem über-pittoresken Seebad Warnemünde.
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Es war ein stürmischer Tag – ja, es ist immer gut, eine Geschichte so zu beginnen, aber ehrlich, es war ein stürmischer Tag – der recht beherrscht anfing, mit einem Brunch im Peter-Weiss-Haus. (Anmerkung der Touristenschriftstellerin in Bezug auf das Peter-Weiss-Haus: Dieses junge Kultur– und Aktivitätshaus gehört zu den Dingen, die Rostock lebendig machen.)
Und ja: es wird so beherrscht weitergehen, nur der Sturm frischt auf.
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Auf meinem Ausflug in die richtigen Betonlandschaften, die nicht für Touristen gedacht sind, wurde ich von einem nicht-lizensierten aber ausgesprochen kompetenten örtlichen Reiseführer, Herrn L., begleitet.
Herr L. fand sich schnell in seine Rolle und zeigte mir zunächst seine liebenswürdigen Eltern, seine Schwester und sein Elternhaus. Ich bin bei meinen Spaziergängen durch die Stadt wirklich schon schlechteren Wahrzeichen begegnet.
Dann machten wir uns auf in die Betonwelt.
(”Es wird regnen, sobald wir vor die Tür treten”, sagte ich. Wir traten vor die Tür, gingen ein paar Meter und dann fielen große, nasse Tropfen. Diese urbane Wanderung fing gut an; es ist nicht so wichtig, was für Wetter man hat, so lange man nur recht hat.)
Es war grau, es war dunkel. Die Häuser sahen müde und unbefriedigt aus, genau wie es sich für Vororte gehört. Irgendwie muss es so sein. Herr L. erklärte mir wortreich, wie es hier früher aussah, bevor die neu gepflanzten Bäume zu Bäumen herangewachsen waren, bevor die betongrauen Giebel in anderen Farben angestrichen worden waren, bevor man bei manchen Häusern ganz oben einige Stockwerke zurückgebaut hatte; vielleicht um die Silhouette etwas lebendiger und weniger gleichförmig zu machen, vielleicht weil es keine Aufzüge gab und zu viele Wohnungen leer standen.
Immer noch waren in vielen der obersten Wohnungen die Fenster leer und gardinenlos und verlassen, trotz aller Veränderungen und Verbesserungen und all der neu gewonnenen Gedanken von Wohlfühlen. Trotz des Lichts und des neuen Grüns.
Auch hier hatten die Häuser und Straßen ihre Geschichte, ihre Mythen, ihre Erzählungen. Manchmal gewalttätig und grausam. Aber sehr oft auch menschlich, wohlbekannt. Wie es eben so ist.
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Zwei Kilometer von Groß Klein entfernt liegt Warnemünde, am Meer, am Strand. Man kann sonntags die Strandpromenade entlang spazieren gehen und auf das lang gestreckte Pier hinaus. Am besten langsam. Das taten wir, Herr L. und ich. Wir wanderten schweigend am Wasser entlang, vielleicht weil es darüber nicht viel zu sagen gab. Vielleicht gingen wir schweigend nebeneinander her, weil es stürmte, das Meer rauschte, meine Haare mir übers Gesicht tanzten und geradewegs in den Mund.
Der Regen war in Groß Klein zurückgeblieben, in Warnemünde wartete der Sturm.
Es waren viele Sonntagsmenschen unterwegs, obwohl es stürmte, obwohl der Sommer längst vorbei war. In Warnemünde sind die Touristen nie fehl am Platz; die Touristen gehören zu Warnemünde. Die hellen Jahrhundertwendehäuser strahlten mit frisch gestrichenen Wänden, in manchen Straßen roch es nach Fisch, in den meisten Straßen gab es Hotels.
Was macht man mit all diesen Warnemündern?
Man zieht sich zurück, man atmet, atmet ein, atmet aus?
Vielleicht wird man ein Anderer, langsamer? Vielleicht ist man zusammen, vielleicht ist es Zeit? Eine neu gestrichene, weiße Zeit, die nach Fisch riecht und wo der Wind an deinem Schal zerrt und du mitgehst.
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Bis du endlich zu etwas anderem als weißen Illusionen zurückkehrst; zu festem Beton, dem Überlebenswillen urbaner Wandkunst, zu der Schönheit, die im absolut Unvollständigen zu finden ist.
Aus dem Schwedischen von Regine Elsässer


